Letzter Tag und Abschied von der Schule

27.1.2017

Heute um 10 Uhr müssen Roland und ich in der Schule sein. Es gibt eine kleine Abschiedsfeier. Ich bin ein bisschen traurig, aber auch erleichtert, dass alles so gut gegangen ist. Gestern haben mich die Lehrpersonen sozusagen geehrt und der Headmaster hat sich bedankt für die grosse Hilfe, ich hätte sie unterstützt und mitgeholfen sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Das war echt berührend.

Die Zeremonie heute Morgen war einfach umwerfend. Roland und ich waren um 10 Uhr da und dann ging es normal los. Nichts anderes, im Schulleitungs-Zimmer machten Bandhana und einige Schülerinnen schöne Halsketten aus Blumen.

Im Zimmer der Sechstklässler hatten die Friendship-Nepal Frauen ein Meeting. Der Headmaster fuhr mit dem Töff weg und wir sassen herum. Ab und zu holte ich den Hammer und befestigte ein Klassenposter an der Wand. Es musste sehr hoch hängen. (Ich habe alle Klassen fotografiert, die Fotos mit dem mitgebrachten kleinen Fotodrucker ausgedruckt und alle SchülerInnen-Namen wurden dann aufs Plakat geschrieben und das ganze schön verziert.) Alle waren irgendwie im Aufbruch. Die Sechstklässler schleppten einige Bänke ins Abbruchzimmer und starteten dann mit Pramila ihren Unterricht. Dann sollten Roland und ich als Specialguest zu den Kursfrauen. Vishnu ist die Präsidentin der Frauen. Plötzlich sollte ich auch noch etwas sagen und wurde ans Rednerpult gerufen.

Was genau war mir nicht klar. Khem übersetzte dann irgendwas. Alle klatschten und wir sollten rausgehen. Draussen entwickelte sich langsam meine Abschiedszeremonie. Immer mehr Dinge wurden angeschleppt. Alle Mitglieder des Schulmanagement erschienen langsam. Was wird das nur werden? Khem, eine Lehrperson, war sozusagen der Tätschmeister. Roland fotografierte und ich schaute, was da so alles geschah. Plötzlich strömten alle Kinder aus ihren Klassenzimmern und setzen sich in Reihen vor mich und den Gabentisch.

Es ging mit den Reden los. Roland und ich verstanden gar nichts, aber es ging immer darum, was im letzten Monat alles geschehen ist. Es wurde in den höchsten Tönen gelobt, was ich alles für ihre Kinder und mit den Trainings auch für die Lehrpersonen gemacht hätte. Zwischendurch übersetzte Khem kurz. Alle 200 Kinder sassen mehr oder weniger ruhig auf dem Boden und die Achtklässler schauten auch auf die Kleinen und nahmen sie zwischen die Knie.

Ich fragte mich wie lange die Kinder  das noch aushalten würden. Die Lehrpersonen sassen hinten auf  Stühlen. Bandhana, eine junge sehr engagierte Lehrerin, war immer irgendwie zwischen den Kindern. Schliesslich holte der Präsident zum Schlusswort aus und alle klatschten. Nun durften wir die Tanzgruppe von Bandhana sehen. Sie waren echt super! Alle Kinder rutschten näher und schauten begeistert zu.

Nachher musste ich aufstehen und wurde beschenkt. Alle wollten mir eine rote Tikka auf die Stirn machen. Ich erhielt vom Raju, dem Headmaster ein weiss-violettes Tuch und Roland eine nepalesische Kappe. Die von Bandhana gemachten wunderschönen Blumenketten wurden uns umgehängt. Dann kamen sehr viele Kinder, die auch noch Blumen und kleine Geschenke für Claudia Ma’am (so nannten mich hier alle) brachten. Ich war ganz rot im Gesicht von den vielen Tikkas die ich erhielt. Ich musste langsam den Kopf senken, damit nicht alles Pulver in die Augen und unter die Linsen kam.

Von einigen Lehrpersonen kamen extra Geschenke. Sie waren echt lieb und sind mir ans Herz gewachsen. So durfte ich am Schluss doch auch noch etwas sagen und Khem übersetzte es in Nepali. Nachher gingen Roland und ich nach Hause, nachdem wir nochmals allen Namaste und Goodbye gesagt hatten. Alle sagten „Wir werden dich vermissen". Ich glaube ich konnte etwas erreichen, ohne sie blosszustellen oder überheblich zu sein. Lehrpersonen und Students und das Schulmanagement gaben mir ein wunderschönes Feedback. Selbst die Presse war erschienen und bedankte sich herzlich. Es werde über meinen Einsatz einen Bericht geben.

Für mich war es sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Ich überlegte auch im Traum und den ganzen Tag, was man noch alles machen könnte. Jeden Tag gab es neue Dinge zu kaufen, vom Hammer über Nägel bis zum Becken für die Springseile oder der grossen Einkaufstasche für die fünf Fussbälle.

Plakate, Kopierpapier, Filstifte, Klebebänder, Fussbälle, Seifen, Seifenschalen, Hammer, Nägel, Kessel für die Kleinen, Memorysticks, Kopieren im Copyshop  Budhabare Chock, grosses Tuch  für die Lernspiele, einen Teppich für den Kindergarten….

Roland hat mich immer überall hin begleitet und unterstützt. Das war einfach super. Nie wurde es uns langweilig. Immer dachten wir neue Verbesserungen aus.

30.1.2017

Wir sind in Kathmandu angekommen und haben bereits mit Bal gesprochen. In Nepal gibt es keine Förderung von behinderten Kindern oder Kindern mit special needs. So ist Bal einverstanden damit, dass er das Schulmanagement davon überzeugt, dass diese Schule als einzige weit und breit Förderstunden für diese Kinder anbietet. Es gibt etwa 7 Kinder, die lernbehindert sind und eines das gar nichts hört.

Diese Students sollen in einer kleinen Gruppe von einer friendship nepal Lehrerin gefördert werden.

Bandhana macht bereits jeden Morgen gratis Förderstunden in Mathe für 26  7.-Klässler, die freiwillig in die Schule kommen. Für diese Lektionen soll sie nun auch bezahlt werden. (Im Unterricht hat sie 55 7.-Klässler , man glaubt es kaum!

Die Trainings waren eine Herausforderung, da ich immer alles in englisch aufschreiben wollte, damit Bandhana besser übersetzten kann und ich genau weiss, was ich sagen will.

Ich habe nun alle Trainings und Unterlagen auf einen Stick kopiert und Khem gegeben. Der Schulcomputer machte zwei meiner Sticks kaputt, er hat einen Virus.
 

Was alles umgesetzt wurde:

  1. Die Kinder haben in der Pause und am Mittag 80 Springseile und 5 Fussbälle zur Verfügung.
     
  2. In jedem Klassenzimmer hängt ein Poster mit einem Klassenfoto und allen Namen der Kinder und der Lehrerin.
     
  3. Im Schulareal wurde aufgeräumt und überall sind Kübel platziert.
     
  4. Jedes Zimmer hat Reinigungsmaterial und einen Abfalleimer in der Nähe. Die Lehrperson ist verantwortlich für die Sauberkeit des Klassenzimmers und der Prinzipal fürs Schulareal.
     
  5. Im Kindergarten waschen die Kleinen die Hände vor dem Unterricht und schreiben am Tisch. Gespielt wird auf dem Teppich.
     
  6. Die Lehrpersonen wissen, dass es zum Lernen verschiedene Zugänge gibt und braucht. Nicht nur Frontalunterricht, den die Lehrperson alleine bestreitet. (verschiedene Methoden und Sozialformen)
     
  7. Die Lehrperson weiss, dass auch Kinder mit Schwierigkeiten gefördert werden müssen, als ob sie unsere eigenen Kinder wären. Individualisierung ist ein Thema geworden.
     
  8. Die Lehrpersonen wissen, dass die Lernziele kommuniziert werden müssen und der Unterrichtsablauf wenn möglich visualisiert ist.
     
  9. Die Lehrpersonen wissen, dass klare Strukturen wichtig sind und die Lernumgebung gut vorbereitet werden sollte.
     
  10. Die Lehrpersonen haben gelernt, dass Rhythmisierung zum Unterricht gehört und die Aufnahmefähgkeit der Kinder unterstützt.
     
  11. Im Office, dem Schulleitungszimmer hängen acht Punkte von Hilbert Meyer übersetzt in englisch (von Rebekka) und nepali (von Bandhana) zur Erinnerung an die Trainings.
     
  12. Alle Lehrpersonen haben das Trainingsmaterial erhalten.
     
  13. Die Lehrpersonen und Kinder sollen sich mit ihrer Schule identifizieren können und stolz auf sie sein.
     
  14. Die Lehrpersonen achten weiterhin auf das gute Klima zwischen den Students und den Lehrpersonen.
     
  15. Im Office und im Lehrerzimmer wurden Stromleitungen eingezogen. Nun sollte es Licht und Strom geben!!


Roland und ich machen uns grosse Gedanken, wie wir das Leben der friendship nepal teacher verbessern können. Alle Staatslehrer in der gleichen Schule verdienen über Fr. 220. Die Selbst-Angestellten um einiges weniger…  So nun ist die Schulphase vorbei und es werden noch ein paar Gespräche mit Bal (Koordinator von friendship nepal in Nepal) und Markus (Vorstandsmitglied in der Schweiz) folgen.